Angebot muss stimmen

Überlegungen zur Konkurrenz von Onlinehandel und lokalen Geschäften

„Der Marktanteil des Online-Handels wird bis 2020 auf 20 Prozent steigen. Die Hälfte des Geschäfts macht alleine Amazon“, stellte die die Vizepräsidentin der IHK Darmstadt, Tatjana Steinbrenner gleich zu Beginn ihres Vortrags in Einhausen klar. Die Chefin des Kaufhauses Ganz in Bensheim kennt die Problematik bestens. „Das erste Vierteljahr 2016 war schwierig“, sagte sie und nutzte die Gelegenheit zu einem Seitenhieb auf das neue Parkraumbewirtschaftungskonzept in der Einhäuser Nachbarstadt: „Steigende Parkgebühren sind dann noch das i-Tüpfelchen.“

Um in den sich verändernden Marktbedingungen überleben zu können, müssen sich ihrer Einschätzung nach Innenstädte, Einzelhändler und Gewerbetreibende bewegen. „Wir haben es heute mit bestens informierten und vergleichenden Kunden zu tun“, sagte sie. Der Einzelhandel habe die Informationshoheit verloren. Entsprechend müsse in den Geschäften auch mehr geboten werden als ein „klassisches Verkaufsgespräch“.   Angebot und Ambiente müssen ihrer Ansicht nach stimmen. Die örtlichen Einzelhändler könnten heute nicht nur Nahversorger sein, sondern sollten auch einen Erlebnisfaktor bieten. „Wir wollen den Kunden zeigen, dass sie bei uns etwas erleben, was sie abends beim Online-Einkauf vor dem Tablet nicht bekommen.“

Die IHK hat für Einzelhändler dazu einen entsprechenden Fragebogen entwickelt, mit dem der Status Quo des Unternehmens erfasst wird. Ermittelt wird: Wie sind die Rahmenbedingungen des Standortes? Wie sehr eignen sich Produkte, die Warengruppen und das Sortiment? Welche Zielgruppe wird angesprochen? Welche zeitlichen und finanziellen Kapazitäten hat das Unternehmen, um Neuerungen umzusetzen? Und nicht zuletzt: Wie gut ist die Präsenz im Internet ausgebaut? Denn neben Neuerungen vor Ort rät die IHK dringend dazu, auch selbst die Möglichkeiten des World Wide Web für den eigenen Geschäftserfolg zu nutzen.

Stationär könnten örtliche Wirtschaftsverbände gemeinsame Aktionen wie „Buy local“ ins Leben rufen. Einzelhändler sollten insbesondere auf eine ansprechende Schaufenster- und Ladengestaltung Wert legen. Mit Lieferdiensten könne man den Trend zum praktischen Einkauf von Zuhause für das eigene Geschäft nutzen.

Unverzichtbar ist laut Tatjana Steinbrenner eine Sichtbarkeit im Internet. Unternehmen müssten heute zwingend in Suchmaschinen und Kartendiensten zu finden sein. Auch der Aufbau einer einfachen Internetseite ist laut Steinbrenner ohne großen finanziellen und technischen Aufwand zu bewerkstelligen. Auch über Social-Media-Kanäle wie Facebook oder Twitter oder über  Bewertungs- und Vergleichsportale könne man in Kontakt mit Kunden kommen.

Als zweites Standbein solle sich zudem jeder Einzelhändler überlegen, ob er nicht selbst auch online seine Waren vertreiben möchte. Wem ein eigener Online-Shop zu aufwendig ist, könne auch Verkaufsplattformen wie beispielsweise ebay, rakuten oder amazon nutzen. Eine Verbindung beider Welten stelle das Modell „click & collect“ dar. Hierbei könnten Kunden ihre Waren bequem übers Internet aussuchen. Anprobe und Kauf finden jedoch persönlich im Geschäft statt.

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